HANDWERK MIT IM BOOT

im Interview mit der Handwerkskammer Schwaben

 

Wenn Ende Juli am Augsburger Eiskanal die Weltmeisterschaften im Kanuslalom stattfinden, dann ist auch ein Augsburger Weltklasse-Kanute am Start, der einen besonderen Bezug zum Handwerk hat. 

Noah Hegge, 23 Jahre alt, sitzt seit seinem siebten Lebensjahr im Boot und startet für seinen Heimatverein Kanu Schwaben. Von Beruf ist Hegge Konditor und hat bei der Konditorei Euringer in Augsburg seine Ausbildung absolviert. Sein Markenzeichen außerhalb des Bootes ist die Mütze. Wie er zum Kanusport gekommen ist, welche Ziele er als Leistungssportler noch hat und wie ihn seine handwerkliche Ausbildung im Sport prägt, berichtet er im nachfolgenden Interview. 

Wie sind Sie denn zum Wildwassersport, genauer zum Kajakfahren gekommen?

2003, da war ich gerade vier Jahre alt, fanden in Augsburg Weltmeisterschaften im Kanuslalom statt. Das stand damals groß in der Zeitung und unsere Eltern sind mit meinen Brüdern und mir kurz nach der WM zum Zuschauen an die Strecke. Meinem älteren Bruder hat das riesig gefallen und er war alt genug, dass er einen Schnupperkurs machen durfte. Mein mittlerer Bruder war dann auch schnell dabei und ich konnte dann mit sieben Jahren anfangen. Kanufahren ist ein Familiensport und ich bin froh, dass meine Brüder mich oft auf Wettkämpfen begleiten. Ein ehrliches Feedback der Familie ist unersetzlich. 

Was bedeutet für Sie die WM-Teilnahme in Ihrer Heimatstadt? 

Das ist etwas ganz Besonderes. Meine Familie und viele Freunde aus Augsburg wollen kommen, mein persönlicher Fanclub. Die WM-Strecke, der Eiskanal ist einzigartig und sehr anspruchsvoll. Dort habe ich alles gelernt, was ich heute sportlich draufhabe. Dennoch ist die Streckenführung jedes Mal anders. Die Tore und Kombinationen werden vom Streckendesigner für jeden Lauf neu gebaut und wir Sportler fahren sie im Wettkampf zum ersten Mal. Vorab dürfen wir sie „nur“ von außen anschauen und müssen das Wasser so gut es geht „lesen“. Das ist immer wieder spannend. Die körperliche Fitness ist die Basis, aber die Ruhe im Kopf ist ausschlaggebend. Mental stark sein – darauf kommt es an. Bei der Heim-WM möchte ich auf alle Fälle ins Finale kommen. 

Sie haben als Konditor eine klassische Handwerksausbildung erfolgreich abgeschlossen. Konnten Sie Leistungssport und Ausbildung gut miteinander verbinden?

Das hat wirklich sehr gut funktioniert. Die Tage waren sehr voll. Kurz vor 5 Uhr bin ich zu Hause los, habe bis nachmittags gearbeitet und bin dann mit dem Radl zum Training gefahren. So konnte ich Ausbildung und Training gut miteinander verbinden. Bei der Konditorei Euringer in Augsburg habe ich handwerklich enorm viel gelernt. Ich bin Herrn Euringer sehr dankbar, dass er mitgezogen hat und ich zu Wettkämpfen – damals war ich bereits in der Jugendnationalmannschaft – frei bekommen habe. Privaten Urlaub gab’s in dieser Zeit nicht. Den Konditorenberuf hat mir von Anfang an gefallen! In der 10. Klasse habe ich ein Praktikum bei Euringers gemacht und war sofort begeistert. 

Was konnten Sie aus Ihrer Ausbildung für den Sport mitnehmen? Gibt es Gemeinsamkeiten von Sport und Handwerk?

Die Ausbildung war für mich eine sehr prägende Zeit. Da habe ich viel gelernt, was ich im Sport anwenden konnte. Disziplin und Durchhaltevermögen auf der einen Seite, aber auch die Fähigkeit, das eigene Tun ständig zu optimieren. In der Backstube und im Boot muss jeder Handgriff sitzen. Das heißt Vorausdenken, Handeln, Nachbereiten. Die Zeit, die zur Verfügung steht, optimal nutzen und dabei permanent effizienter werden. Für mich und meine sportliche Entwicklung sehe ich als großen Vorteil, dass ich gearbeitet habe. Das hat mir Struktur gegeben und sicher auch Ernsthaftigkeit. 

Sie sind jetzt in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und Kajakfahren ist Ihr Beruf – wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor? 

Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr zu sein, ist für mich super. Ich kann mich voll auf das Training und den Leistungssport konzentrieren. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein großes Ziel ist Olympia in Paris 2024. Dafür trainiere ich hart und bestreite jeden laufenden Wettkampf mit vollem Einsatz.

Planen Sie nach Ihrer Sportkarriere wieder in Ihren erlernten Beruf zurückzukehren?

Der Umgang mit Lebensmitteln ist für mich etwas sehr Schönes und ich würde gerne wieder in diesem Bereich arbeiten. Mein älterer Bruder ist Koch, wir sind im steten Austausch, vielleicht ergibt sich ja etwas Gemeinsames in der Zukunft. 

Was empfehlen Sie jungen Menschen, die nach der Schule vor der Berufswahl stehen?

Augen auf, Sport treiben und raus in die Natur – da entdeckt man die eigenen Talente und wofür man sich begeistern kann. Auf jeden Fall aktiv sein und neue Dinge ausprobieren. Und dann natürlich Ziele setzen. Gerade die handwerkliche Berufswelt bietet so viele Chancen und gibt persönliche Zufriedenheit. 

Für wen backen Sie heute noch eine Torte?

Für meine Familie und meine Freunde backe ich natürlich ab und zu. Das Werkzeug hab‘ ich noch und den Spaß daran sowieso. Allerdings ist eine normale Küche halt keine Backstube. An einer leckeren Schokotorte oder einem fluffigen Obstkuchen geh‘ ich nicht vorbei. Wobei Ernährung für mich als Leistungssportler schon ein wichtiger Aspekt ist.